Persönlichkeitsrechte in der Straßenfotografie

Recht am eigenen Bild oder Kunstfreiheit?

Straßenfotografie lebt davon, das "echte" Leben auf der Straße einzufangen. Das Fotografieren und insbesondere das Veröffentlichen solcher Szenen betrifft jedoch das Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten. Was überwiegt?


Ein Berliner Fotograf hat seine "Modelle" nicht gefragt, sondern die Bilder so veröffentlicht. Nach seiner Ansicht überwiegt die Kunstfreiheit das Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten.

Das Landgericht Berlin hat ihm hierfür jetzt jedoch eine Absage erteilt. Das Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten ist verletzt, die Kunstfreiheit unterliegt.


Grundsätzlich gilt nach § 22 KUG, dass Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen. (Die Frage, ob bereits das Fotografieren an sich der Einwilligung bedarf, lasse ich hier bewußt außen vor.)

Der Fotograf bezieht sich hier jedoch auf eine Ausnahmeregelung in § 23 Abs. 1 Nr. 4 KUG, wonach die Verbreitung erlaubt ist, wenn sie einem höheren Interesse der Kunst dient.

Jedoch kennt auch diese Norm im Abs. 2 wieder eine Ausnahme: Eine Zurschaustellung ist unbefugt, wenn hierdurch ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten verletzt wird.

Auch danach kommt man also wieder zum die Kunstfreiheit überragenden Persönlichkeitsrecht.


Daher: Sind die Abgebildeten nicht lediglich Beiwerk, sollte spätestens nach dem Fotografieren die Einwilligung zur Veröffentlichung eingeholt werden - aus Beweisgründen sinnvollerweise schriftlich!